TU Bergakademie Freiberg weiht Super-Presse ein

Eine neue Universal-Umformpresse wurde am Institut für Metallformung der TU Bergakademie Freiberg in der Versuchshalle Metallformung auf der Bernhard-von-Cotta-Str. 4 am Mittwoch, den 28.3., übergeben.

10 MN Universal-Umformpresse von PAHNKE

Der folgende Text wurde am 28.03.2012 durch die TU Bergakademie Freiberg unter diesem Link veröffentlicht.

Eine neue Universal-Umformpresse wurde am Institut für Metallformung der TU Bergakademie Freiberg in der Versuchshalle Metallformung auf der Bernhard-von-Cotta-Str. 4 am Mittwoch, den 28.3., übergeben.  

Gleichzeitig startete die MEFORM 2012, eine Konferenz mit nationalen und internationalen Umformtechnikexperten, bei der in diesem Jahr die Werkstoffentwicklung und Massivumformung im Zentrum stehen. 200 Experten diskutieren ab dem 28.3. drei Tage lang in Freiberg über Herausforderungen und neueste Entwicklungen in diesem Bereich.

Mit der Übergabe der neuen Universalpresse durch die Firma Wepuko-Pahnke an das Institut für Metallformung haben die Freiberger Forscher nun modernste Technik auf diesem Gebiet: „Ohne Teile aus der Umformtechnik würde kein Auto fahren, keine Eisenbahn rollen und kein Flugzeug fliegen“, sagt Gunter Lehmann, Professor für Metallformung. Für die Freiberger Metallformungs-Experten hat sich damit ein langgehegter Wunsch erfüllt. „Uns eröffnen sich in der Massiv- und Blechumformung ganz neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit mit der Industrie und wir können die Ausbildung des Nachwuchses in der Fachrichtung Umformtechnik entscheidend verbessern und praxisnäher gestalten“, sagte Prof. Gunter Lehmann bei der Übergabe der Presse.

Mit der neuen Universalumformpresse können nun Bauteile bis 500 Kilogramm aus Stahl- und Nichteisenmetalllegierungen industrienah hergestellt werden. Die neue Presse hat eine Presskraft von zehn Meganewton, das entspricht ungefähr der Kraft von 33 30-Tonnen-LkWs. Sie ist insgesamt 85 Tonnen schwer, ragt 5,15 Meter über den Hallenfußboden auf, steht auf einem 5,5 Meter tiefen Fundament und ist in der Versuchshalle des Institutes für Metallformung untergebracht.

Prof. Rudolf Kawalla, Institutsdirektor am Institut für Metallformung, sagt: „Mit der Einweihung unserer neuen Presse haben wir einen weiteren Meilenstein geschafft, was praxisnahe Forschung angeht. Die neue Universalpresse ermöglicht es uns an der TU Bergakademie Freiberg, in noch engerer Zusammenarbeit mit der Industrie im Interesse kleiner und mittelständischer Unternehmen als auch von Großbetrieben zu forschen.“

Die Mittel für die 2,33 Millionen Euro teure Gesamtinvestition kommen zu zwei Dritteln von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Sachsen. Ein Drittel wird durch Sponsoring, Industriebeteiligung sowie aus Mitteln des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand und der TU Bergakademie Freiberg gedeckt.

Die Freiberger Wissenschaftler können nun von der Entstehung des Werkstoffes durch Schmelzen bis hin zum fertigen Bauteil forschen und optimieren. „Damit verbessern sich auch die Chancen der TU Bergakademie Freiberg bei der Bewältigung neuer Aufgaben, die sich aus der Verarbeitung neuer Werkstoffe ergeben werden“, so Prof. Rudolf Kawalla.

Das neue Schmuckstück des Instituts für Metallformung ist etwas ganz Besonderes: „Unsere Presse ist einmalig, weil so viele verschiedene Umformverfahren und Umformtechnologien durch sie verwirklicht werden können. Sie besitzt als Herzstück einen sehr flexiblen servohydraulischen Antrieb. Dies war auch Neuland für alle Beteiligten“, so Prof. Lehmann. Auch die Konstrukteure und Techniker des Pressenherstellers Wepuko-Pahnke beschritten Neuland, denn weltweit gibt es nur vier ähnliche Pressen.

Der Entwickler der Presse, Ullrich Hermann, Projektmanager bei Wepuko-Pahnke: „Für uns war es eine Herausforderung, so eine bisher einmalige Presse in dieser Ausführung zu bauen, denn sie ist für ganz unterschiedliche Verfahren der Umformtechnik geeignet: Freiformschmieden, Gesenkschmieden (Fallhammer), Gesenkpressen, Giesschmieden, Strangpressen, Fliesspressen, Pulverumformung, Tiefziehen, Presshärten und die Innenhochdruckumformung – all das ist möglich.“ Die neue Presse ist so konstruiert, dass sie innerhalb kürzester Zeit für neue Verfahren umgerüstet werden kann.

Bereits 1994 hatten die Mitarbeiter des Instituts für Metallformung den ersten Antrag für eine neue Presse gestellt. Im Jahre 2008 begutachtete und bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dann den Antrag zum Bau einer Universalumformpresse. „In einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren setzte sich die Firma Wepuko-hydraulik (heute Wepuko-Pahnke) aus Metzingen, die vielfältige Erfahrungen bei der Konstruktion und dem Bau von großen Multifunktionspressen hat, durch“, erzählt Prof. Lehmann. Bereits vor einem Jahr, im März 2011, war mit dem Bau der Presse im neu errichteten Fundament begonnen worden. Das erste Mal in Betrieb nehmen konnten die Wissenschaftler und Experten das Gerät im Oktober des vergangenen Jahres.

Am Institut für Metallformung der TU Bergakademie Freiberg werden Diplomingenieure für den Einsatz in metallurgischen und metallverarbeitenden Betrieben der Umformtechnik ausgebildet. Gelehrt und geforscht wird unter anderem zu den Umformverfahren Walzen, Ziehen, Schmieden, Pressen und Spritzgießen. „Die Umformverfahren technologisch weiter zu entwickeln, ist eines der Hauptziele unserer Arbeit“, erklärt Professor Lehmann. So hätten die Aktivitäten auf dem Gebiet der Warmumformverfahren in der letzten Zeit an Bedeutung gewonnen: „Wir können in enger Zusammenarbeit mit anderen Instituten der TU Bergakademie die gesamte Erzeugungskette von der Legierungserzeugung, über die Halbzeugherstellung bis zum fertigen Bauteil nun merklich verkürzen und damit die ökonomischen und die ökologischen Vorteile neuer Umformverfahren und deren Kombinationen nutzen. Um den regionalen Anforderungen der Industrie und der technischen Entwicklung zu entsprechen, können wir nun unser Arbeits- und Forschungsspektrum auf die Herstellung von Prototypen aus neuen Werkstoffen, wie hochfesten aber gleichzeitig duktilen Stahlwerkstoffen und neuen Aluminium-, Titan und Magnesiumlegierungen, erweitern. Die Investition in eine derartig universelle Presse war dringend notwendig, weil wir bisher nur unzureichende Anlagen für die Massiv- und Blechumformung zur Verfügung hatten, so dass die Forschung überwiegend direkt in der Industrie durchgeführt werden musste“, so Prof. Lehmann.