Die Geschichte der Wepuko PAHNKE GmbH

Die Vorgeschichte: Von Tuchmachern zu Mechanikern und Pumpenbauern

Begünstigt durch die Mühlen am Ermskanal gibt es in Metzingen schon im 18. Jhd. zahlreiche Tuchmacher. Nach und nach werden diese Mühlen in Fabriken umgewandelt und das erste Gewerbegebiet entsteht am Ermskanal. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Plochingen- Metzingen-Reutlingen 1859 festigt Metzingens Bedeutung als Industriestandort. Mit der Kohle, die auf der Schiene günstig und bequem nach Metzingen transportiert wird, können Dampfkessel als zusätzliche Energiequelle betrieben werden. Die Tuchindustrie wird somit unabhängig von der Wasserkraft. Es liegt nahe, diese Dampfkessel vor Ort zu produzieren und 1860 entsteht die erste Maschinenfabrik in Metzingen. Eine neue Ära beginnt.

Neuanfang und Wirtschaftswunder

1888 Der Mechaniker Friedrich Krumm eröffnet in Urach eine mechanische Werkstätte, um Maschinen zu reparieren sowie Obst- und Beerenpressen herzustellen.

1892  Krumm baut seinen ersten Motor nach Plänen seines Schwagers Gustav Magenwirth, der bereits bei Carl Benz in Mannheim gearbeitet hat.

1894  Krumm und Magenwirth werden  Partner. Magenwirth konstruiert seine ersten Petroleummotoren.

1898 Die Partner trennen sich. Krumm führt seine Werkstatt weiter und Magenwirth gründet eine Maschinenfabrik.

1906 Friedrich Krumm schließt sich mit dem Maschinentechniker Georg Glück zusammen. Das Unternehmen „Krumm & Glück“ entsteht.

1908 Friedrich Krumm verlässt die Firma und Georg Glück findet in dem Kaufmann Karl Wahle einen neuen Partner. Die Firma „Glück und Wahle“ betreibt

1910 Nach der Trennung von Wahle verkauft Glück die Fabrik an den Ingenieur Wilhelm von Neudeck.

Dieser führt zunächst das Fabrikationsprogramm der Maschinenfabrik Glück fort, beginnt dann aber auf Anregung seines Nachbarn Gustav Magenwirth, der mittlerweile Pumpen aller Art produziert, mit der Herstellung von Schneidewerkzeugen, die zur Bearbeitung von Pumpenteilen verwendet werden.

1917 Wilhelm von Neudeck erwirbt zusammen mit einem Partner die ehemalige Tuchfabrik Esche (gegr. 1864) in der Stelle in Metzingen.

1921 Der Firmensitz wird von Urach nach Metzingen verlegt und heißt ab Mitte der Zwanzigerjahre „Werkzeugfabrik Metzingen Wilhelm von Neudeck“.

1924 Der Maschinenbauingenieur Fritz Thumm tritt in die Firma ein und steht Wilhelm von Neudeck als Führungskraft zur Seite.

1931 Nach dem Tod Wilhelm von Neudecks wird Fritz Thumm von Eugenie von Neudeck mit der Leitung des Unternehmens beauftragt.

1932-1954

1932 Am 24. Mai gründet Fritz Thumm die Pumpen und Kompressorenfabrik in Metzingen. Die Firmengeschichte beginnt.

1933 In enger Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Werner & Pfleiderer aus Cannstatt werden die Produkte nun auch nach Holland, Spanien, Polen und in die Schweiz geliefert.

1934 Nach der Verschmelzung am 20. November mit der Werkzeugfabrik Metzingen von Neudeck, entsteht die Werkzeug-, Pumpen- und Kompressorenfabrik von Neudeck & Co. Die ersten drei Wörter bilden die Grundlage für die später verwendete Abkürzung „Wepuko“.

1948 In den ersten Nachkriegsjahren werden Spätzlemaschinen, Feuerzeuge und Holzspaltmaschinen produziert. Erst 1948 nimmt das Unternehmen wieder die Konstruktion von Pumpen und Kompressoren auf.

1951 Die erste stehende Ölhydraulikpumpe geht in Serie. Bis 1954 kommen Öl- und wasserhydraulische Hochdruckpumpen für den Antrieb hydraulischer Pressen auf den Markt.

1954 Fritz Thumm macht seinen Sohn Fritz Thumm jr. zum Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Zeitgleich tritt Hans-Joachim Pahnke in Düsseldorf als Leiter einer von ihm aufzubauenden Hydraulikabteilung bei der Firma Sack GmbH an.

1956-1966

1956 Die erste Freiformschmiedepresse unter der Leitung von Hans-Joachim Pahnke wird gebaut. Es handelt sich dabei um eine revolutionäre Zweisäulen-Unterflurpresse. Hans-Joachim Pahnke wird damit zum Pionier. Sehr schnell finden sich Nachahmer.

Das Unternehmen stellt als Neuentwicklung einen luftgekühlten, tragbaren Hochdruckkompressor für Atemschutzgeräte vor.

1957 Hans-Joachim Pahnke entwickelt eine leistungsstarke ölhydraulische Radialkolbenpumpe, die in Lizenz unter der Typenbezeichnung RP durch Wepuko gebaut wird. Das Fundament für eine fruchtbare Zusammenarbeit ist gelegt.

1961 Die erste Freiformschmiedepresse von Hans-Joachim Pahnke, die einen Ölantrieb mit der Radialkolbenpumpe RP besitzt, wird an die Schmiede „Mannheim“ geliefert. Weitere Aufträge folgen direkt im Anschluss.

Bei Wepuko wird die Dreiplungerpumpe DP 50 entwickelt und konstruiert. Sie legt den Grundstein für eine neue Pumpenreihe.

1965 In der gleichen Konstruktion wie die „Mannheim“ wurde 1965 eine 20 MN Freiformschmiedepresse an die Firma Latrobe Steel und ein Jahr später eine 27 MN Freiformschmiedepresse an die Firma Union Electric geliefert. Die Anlage für Latrobe Steel war die erste Freiformschmiedeanlage überhaupt, welche mit zwei Manipulatoren für integriertes Arbeiten ausgerüstet wurde.

1966 Nach dem Tod von Fritz Thumm übernimmt Fritz Thumm jr. die Leitung des Unternehmens.

1969-1973

1969 Hans-Joachim Pahnke widmet sich wieder der Zweisäulenbauart. Die Firma Wyman Gordon erhält eine 18 MN Freiformschmiedepresse mit zwei Säulen und einem innovativen Stahlgussrahmen aus einem einzigen Stück.

1970 Nur ein Jahr später erfindet Hans-Joachim Pahnke eine hydraulisch angetriebene Vier-Hammer-Schmiedemaschine. Hans-Joachim Pahnke nannte diese Bauart „Radialschmiedemaschine“ mit hydraulischem Antrieb.

1971 Eine 80/100 MN Oberflur-Freiformschmiedepresse, angetrieben von 12 Pumpen des Typs RP wird für Japan Casting & Forging (JCF) gebaut. Erstmals wurde mittels drei Hauptzylindern neben einem Arbeitsdruck von 315 bar auch ein Stauch-druck von 450 bar realisiert.

1973 Die neue DP 400 Baureihe von Dreiplungerpumpen wird konstruiert und entwickelt.

Die SACK GmbH verkauft den Bereich Pressenherstellung. Hans-Joachim Pahnke entschließt sich zur Selbstständigkeit. Mit den Partnern Fritz Thumm jr. und Eric Koik (USA) gründet er in Düsseldorf die Firma PAHNKE Engineering GmbH.

1974-1976

1974 Zu Beginn plant das junge Unternehmen PAHNKE Engi-neering GmbH hauptsächlich Schmiedeanlagen. Dazu gehöh-ren eine Schmiedemaschine für Special Metals in Dunkirk (USA), eine 50 MN Freiformschmiede für Björneborg in Schweden und eine 10 MN Vorschmiedeausrüstung für Villares in Brasilien.

Pressure Systems Inc. (PSI ), die erste Firma von Hans-Joachim Pahnke in den USA, wird gegründet. Ihr Präsident wird Guido (Guy) Maddalena. Für amerikanische Kunden kann nun der Gesamtprozess – von der Auftragsannahme über die Herstellung bis zur Lieferung und Montage – vollständig auf amerikanischem Boden stattfinden.

1975 Bei Wepuko beginnt die Entwicklung neuer ölhydraulischer Radialkolbenpumpen der Reihen RF, RH und RV.

1976 Bei MEFOS in Luleå (Schweden) geht die erste Presse unter dem Namen PAHNKE in Betrieb. Der „Pahnke Modifizierte Sinus-Direktantrieb“ (PMSD-Antrieb) wird zum ersten Mal eingesetzt. Er entwickelt sich zum großen Erfolg.

Für die französische Firma Creusot Loire (heute Creusot Forge / Areva) baut PAHNKE Engineering eine 90/110 MN Oberflur-Freiformschmiedepresse. Ihre erste Generalüberholung erfährt sie erst 33 Jahre nach Inbetriebnahme. Über einen ebenso langen Zeitraum ist diese Presse weltweit die größte in Zweisäulen-Bauart

1977-1983

1977 Michael Pahnke, der Sohn von Hans-Joachim Pahnke, beginnt seine berufliche Laufbahn bei Pressure Systems Inc. Zu seinen ersten Projekten gehört die Konstruktion und Installation eines PMSD-Antriebs für eine Schmiedeanlage in den USA.

1979 Fritz Thumm jr. erkrankt. Hans-Joachim Pahnke übernimmt kurzfristig die Leitung von Wepuko und stellt bald Professor Günther Stein als Geschäftsführer ein.

1980 Die erste PAHNKE-Anlage in Asien geht in Betrieb: Eine 15 MN Freiformschmiedepresse mit zwei Manipulatoren für MIDHANI in Indien. Die Optimierung des Sinusantriebs wurde von Michael Pahnke federführend betreut. Ausgehend vom Erfolg dieser Anlage folgen weitere Aufträge in Indien und Frankreich.

Für Weber Metals in Los Angeles entsteht eine 300 / 350 MN Gesenkschmiedepresse. Um möglichst endmaßnahe Bauteile für die Luftfahrt schmieden zu können, kommt ein von Michael Pahnke entwickeltes hydraulisches Balanciersystem zum Einsatz.

1983 Als Nachfolge der RP wird die „große“ Radialkolbenpumpe RX entwickelt.

Fritz Thumm jr. stirbt am 16. Oktober 1983.

1984-1995

1984 Michael Pahnke wird zum  Konstruktionsleiter der PAHN-KE Engineering GmbH ernannt.

1986 Auf dem Wepuko-Gelände in Metzingen wird das neue Bürogebäude fertiggestellt.

1990 Michael Pahnke wird zum Geschäftsführer der PAHNKE Engineering GmbH ernannt, letzteres neben Hans-Joachim Pahnke, der seine Position als Geschäftsführer behält, jedoch im operativen Alltag der Firma die Leitung des technischen Büros übernimmt.

1991 Bei Wepuko in Metzingen wird der neue Prüfstand in Betrieb genommen.

1993 Die erste komplette Entzunderungsanlage von Wepuko wird ausgeliefert.

Wepuko erhält die ISO 9001 Zertifizierung.

1995 Eine 30 MN Schmiedepresse für Simmaco in China wird gebaut.

1996-2007

1996 Die Familie Pahnke wird Eigentümer der Firma Wepuko Hydraulik GmbH.

1997 Die neuentwickelte DP 212 wird zum ersten Mal ausgeliefert. Sie bildet den Grundstein für die DP 200 Baureihe.

1998 Michael Pahnke wird Geschäftsführer der Wepuko Hydraulik GmbH.

2002 Die Geschäftsbereiche Pumpen und Pressen werden in Metzingen „unter einem Dach“ vereint.

2006 Das Gelände wird um eine neue Fertigungshalle und einen Anbau für die Montagehalle erweitert.

2007 Die CITIC Heavy Machine Corporation (HMC) in Luoyang (China) beauftragt eine 165/185 MN Zweisäulen-Freiform-schmiedepresse in Oberflurbauweise. Als bislang stärkste Presse ihrer Bauart geht sie Anfang 2011 in Betrieb.

2008-2012

2008 Für Tongdi entsteht in der Nähe von Shanghai eine 60/70 MN Oberflur-Freiformschmiedepresse mit PMSD-Antrieb und einem innovativen 2-in-1-Zylinderkonzept.

2009 In Baotou in der Inneren Mongolei geht ein PMSD-Antrieb für eine 360 MN Stahlstrangpresse und eine 150 MN Vorformpresse in Betrieb. Die Anlage mit 42 Pumpen des Typs RX 500 wird zur größten hydraulischen Anlage der Welt.

2010 Wepuko wird von Wolfgang Clement mit der Auszeichnung TOP JOB geehrt.

Außerdem wird 2010 die Kindertagesstätte TigeR auf dem Firmengelände in Zusammenarbeit mit dem Tagesmütterverein Reutlingen eröffnet.

2011 Das Unternehmen wird von Wepuko Hydraulik GmbH zu Wepuko PAHNKE GmbH umbenannt.

In Zusammenarbeit mit der Firma Krytem beginnt die Entwicklung der Kryopumpe „HLEP“ (Hochleistungs-Einspritzpumpe) für Medien mit einer Temperatur von bis zu -196 °C.

2012 Am Institut für Metallformung der TU Freiberg wird eine 10 MN Universal-Umformpresse mit PMSD-Antrieb eingeweiht. Die Presse beherrscht mehrere unterschiedliche Umformverfahren und ist weltweit einzigartig.

 

In China wird die Tochterfirma Wepuko PAHNKE Systems eröffnet.

2014-Heute

2014 Die DP 532-250, größte von Wepuko je gebaute Pumpe, ist fertig. Sechs Exemplare werden auf Erdöl-Förderschiffen (FPSO) des brasilianischen Petrobras-Konzerns eingesetzt.

2015 Das Bürogebäude in Metzingen wird aufgestockt.

2016 Bei CHW Forge in Indien beginnt der Bau einer 31,5/38 MN Freiformschmiedepresse mit PMSD Antrieb. Die Aufstellung der kompletten Anlage nimmt lediglich acht Monate in Anspruch. 

Am 24. Juli 2017 wird sie feierlich eingeweiht.

2017 Die äußerst kompakte DPX 105 Dreiplungerpumpe wird vorgestellt. Sie ist der erste Vertreter der neuen DPX-Baureihe.

Die Chronik von Hans-Joachim Pahnke 

In dem Buch von Autor Hans Werstermeyer, einem ehemaligen Mitarbeiter und später Partner von Hans-Joachim Pahnke wird die bahnbrechende Entwicklung der Freiformschmiedepresse durch 
Hans-Joachim-Pahnke beschrieben und mit Originalaufnahmen veranschaulicht.

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